Resolution gegen eine Trennung von Fach- und Lehramtsstudium

Resolution der 67. Konferenz der deutschsprachigen Mathematikfachschaften (KoMa)

Magdeburg, 28. November 2010

Mit dieser Resolution reagiert die 67. Konferenz der deutschsprachigen Mathematikfachschaften auf Überlegungen an deutschsprachigen Universitäten, die Grundvorlesungen der  Fach- und Lehramtsstudierenden[1] der Mathematik im ersten Studienjahr zu trennen. Eine solche Maßnahme soll, so haben wir den Eindruck, hohen Abbruch- und Durchfallquoten der Lehramtsstudierenden zu Beginn des Studiums entgegenwirken. Die Struktur eines Studiums nach Abbruchquoten auszurichten ist aus unserer Sicht bedenklich.

Grundsätzlich halten wir eine Trennung der Ausbildungswege von Fach- und Lehramtsstudierenden auch nicht für erfolgversprechend.

Eine Separierung der Grundvorlesungen kann und soll nicht auffangen, dass sich die Mathematik an der Universität von der Schulmathematik unterscheidet. Lehramtsstudierende kommen vielfach mit der Vorstellung an die Universität, dass es sich bei den mathematischen Inhalten des Lehramtsstudiums lediglich um eine Fortführung und Vertiefung der Schulmathematik handle und auch handeln solle. Diese Überlegungen lassen außer Acht, dass die Fähigkeit zum mathematischen Denken  und ein Überblick über mathematische Strukturen notwendig für eine didaktische Reduktion und eine erfolgreiche Unterrichtsdurchführung sind.

Selbst bei einer vereinfachten mathematischen Grundausbildung wird für die Lehramtsstudierenden spätestens der Übergang zu weiterführenden Fachvorlesungen, wie z.B. Algebra oder Stochastik, zur Hürde, da diese zusammen mit Fachstudierenden gehört werden. Daher wird mit der vorgesehenen Separierung das Problem der hohen Abbruch- und Durchfallquoten allenfalls in einen späteren Studienabschnitt verlagert und nicht signifikant reduziert. Für Studierende ist es im Allgemeinen besser, wenn sie frühzeitig mit den tatsächlichen Anforderungen des Studiums konfrontiert werden und die Gelegenheit bekommen, ihre Berufs- und Studienwahl gegebenenfalls zu überdenken. Mit fortschreitender Studiendauer wird die Entscheidung, das Studien- oder Berufsziel zu ändern, deutlich schwieriger.

Darüber hinaus möchten wir betonen, dass eine gemeinsame Ausbildung von Lehramts- und Fachstudierenden aus einer Vielzahl von Gründen sinnvoll ist. Beispielsweise kann ihre Zusammenarbeit dank verschiedener Sichtweisen für beide Seiten fruchtbar sein. Außerdem kann eine Lehrkraft ihre Schülerinnen und Schüler nur dann auf ein Studium mit mathematischem Schwerpunkt adäquat vorbereiten, wenn sie sowohl mit dessen Methodik als auch Inhalt vertraut ist.

Als Alternative zur Trennung der mathematischen (Grund-)Veranstaltungen von Lehramts- und Fachstudierenden schlagen wir vor, die Lehramtsstudierenden schon vor Beginn ihres Studiums, z.B. durch eine umfassende Berufs- und Studienberatung, über die Anforderungen im Lehramtsstudium zu informieren. Außerdem könnte in speziellen Veranstaltungen während des ersten Studienjahres die Mathematik der Grundvorlesungen im Kontext der Schulmathematik motiviert werden.

Abschließend möchten wir festhalten, dass Lehramtsstudierende nicht weniger als Fachstudierende qualifiziert sind, die Inhalte des Mathematikstudiums zu erfassen, daher sollten sie fachlich auch entsprechend gefordert werden. Dabei muss selbstverständlich auf die besondere Motiviationslage der Lehramtsstudierenden, z.B. durch spezielle Veranstaltungen (s.o.), eingegangen werden.

[1] In dieser Resolution beziehen wir uns nur auf Lehramtsstudierende, welche später bis zu einem der Hochschulreife äquivalenten Abschluss unterrichten.